Was getan werden kann: Sequenzexperte Ulrich Elling: „Jetzt kommt die nächste Welle“

Der Genetiker Ulrich Elling bekräftigte auf Twitter und im Gespräch mit der APA am Dienstag, worauf sich die Corona-Zahlen bezogen: „Das wird eine Welle, und die geht wieder hoch“, sagte er. Aber: “Wir können noch etwas tun.” Der Experte vom Institut für Molekulare Biotechnologie der Akademie der Wissenschaften ging speziell auf den Schutz älterer und besonders gefährdeter Menschen ein. Eine weitere Auffrischungsimpfung würde den Schutz vor Alkoholkonsum im Krankenhaus erhöhen. Elling hatte wie der Komplexitätsforscher Peter Klimeck bereits Anfang Juni in einem Interview mit der Kleinen Zeitung ein Sommerhoch vorhergesagt – Sie können diesen Artikel hier lesen.

„Gesellschaft und Politik halten an dem Irrglauben fest, dass die Coronavirus-Pandemie eine saisonale Krankheit ist“, sagte Elling. Allerdings ist die Jahreszeit nur ein Faktor, den beispielsweise die Variante Omikron BA.5 mit einem hohen Infektionsgrad kompensieren muss.

Kommentar von Martina Marx

Ein Genetiker beschrieb es als völlig absurde Strategie, sich eine tödliche Krankheit zuzuziehen und eine Immunabwehr gegen diese potenziell tödliche Krankheit aufzubauen. Elling verwies in diesem Zusammenhang auf noch zu veröffentlichende Daten aus einer umfangreichen Studie unter US-Veteranen. Diese Daten weisen darauf hin, dass das Risiko einer Krankenhauseinweisung mit Mehrfachinfektionen bei der Zweitinfektion mit Corona höher ist als bei der Erstinfektion.

Elling leitet daraus folgende Strategie ab: „Herausfordern ist zwecklos.“ Im Gegenteil, das Ziel sollte es sein, die Zahl der Infektionen in jeder Welle so gering wie möglich zu halten und dafür zu sorgen, dass gefährdete Gruppen bestmöglich geschützt werden. Was Politiker hingegen hoffen, dass eine Epidemie im Sommer die Welle im Herbst dämpft. „Das funktioniert nur, wenn der Virustyp im Herbst dem im Sommer sehr ähnlich ist“, so Elling. Und dass dies der Fall ist, sollte nicht gesagt werden.

Schnelle Verstärkung gefährdeter Gruppen

Eine Möglichkeit ist die Zunahme von Menschen über 65 jetzt. „Das muss aber schnell gehen“, sagte der Wissenschaftler. Bei 20.000 Aufrufen pro Tag und Woche ist es zu spät. Spezifische Impfstoffe gegen die Omicron BA.5-Variante werden erst kommen, wenn die Welle vorbei ist, also werden sie kommen Ein Booster wird so schnell wie möglich benötigt. Das hilft zwar nicht gegen Infektionen – vielleicht ist eine Aktivierung zur Sicherung des Sommerurlaubs nicht hilfreich – aber gegen harte Trainingseinheiten. „BA.5 ist auch besonders gut darin, den Immunschutz nach einer Infektion zu umgehen. Es macht Sinn, dass BA.5 auch besonders gut darin wäre, den Immunschutz nach einer Impfung zu umgehen“, erklärt Elling.

Der Forscher forderte moderatere Maßnahmen, um die Welle so klein wie möglich zu halten. Einer davon könnte die Maskenpflicht sein. “Es kann eine Welle nicht alleine aufhalten. Aber es kann sie glätten und vielleicht frühzeitig biegen.” Auch der Schutz besonders gefährdeter Personen wird verbessert. Außerdem: „Bei 30.000 Fällen pro Tag im Sommer brauchen wir keine Masken, aber bei 30.000 Fällen pro Tag im Herbst brauchen wir sie. Das ist unverständlich“, kritisierte Elling.

Sinnvoll wäre es laut dem Genetiker auch, das Testangebot noch einmal zu erweitern. „Man könnte sich zum Beispiel noch einmal testen, bevor man auf besonders gefährdete Menschen trifft“, erklärte Elling.

Am Dienstag aktualisierten die Ages ihren Datensatz des siebentägigen Auftretens nach der Anzahl sogenannter Immunereignisse – also früherer Infektionen und Impfungen. Am letzten verfügbaren Tag, dem vergangenen Sonntag, lag die Sieben-Tage-Infektionsrate bei nicht infizierten oder geimpften Personen bei 605,45 pro 100.000 Einwohner. Bei Personen mit unzureichender Immunisierung betrug die Inzidenz 576,14. Menschen, die ein oder zwei Immunereignisse hatten – d. h. eine Infektion und möglicherweise einen anderen Impfstoff – haben eine reduzierte Inzidenz von 122,96. Bei Menschen mit mehr als zwei Immunereignissen lag die zweistellige Zahl am Sonntag mit 87.04. Untersucht wurden Personen im Alter von 12 bis 74 Jahren.

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