Warum ändert sich die Stimmung auf dem Markt?

Die aktuelle Stimmung ist selten

Besonders interessant: Unmittelbar nach dieser extremen Stimmung stieg der Silberpreis in der Vergangenheit tendenziell deutlich an und machte innerhalb weniger Wochen Kursgewinne im zweistelligen Prozentbereich. Dieser Reflex scheint sich diesmal wieder zu zeigen, schließlich ist der Silberpreis seit dem Tag der Datenerfassung (immer dienstags) bereits um rund acht Prozent gestiegen. Man darf nun gespannt sein, ob die Stimmung bei den großen Futures-Spekulanten wieder positiv wird.

Seit dem Jahreswechsel sind nicht nur die großen Futures-Spekulanten, sondern auch die kleineren (non-reporting) Spekulanten deutlich skeptischer geworden. Beides hat das Long-Exposure deutlich reduziert und gleichzeitig die Short-Seite deutlich erhöht. Seit Jahresbeginn hat dies die Netto-Long-Positionen der großen Spekulanten um knapp 31.000 Kontrakte auf aktuell minus 4.500 Terminkontrakte reduziert. Bei den kleinen Futures-Spekulanten verringerte sich die Netto-Long-Position im gleichen Zeitraum von 15.470 auf 7.150 Kontrakte (-53,8 %). Mit einem Silber-Future, der das Äquivalent von 5.000 Unzen Silber bewegt, wurden seit Ende Dezember mehr als 6.100 Tonnen Silber von der Long- zur Short-Seite “gebaggert”, was etwa 24 Prozent der jährlichen Silberproduktion der Mine entspricht ( 2021).

Ist der Silberpreis sehr günstig?

In der Finanzwelt gibt es seit langem eine Debatte darüber, ob der Silberpreis nach unten manipuliert wird. Beim Forenbetreiber Reddit.com versuchen seit Januar 2021 US-Kleinanleger des Konzerns Wall Street Silver, eine angebliche Währungsabwertung nach oben zu korrigieren – bislang ohne nachhaltigen Erfolg. Es ist jedoch nicht zu leugnen, dass am Silbermarkt etwas nicht stimmt. Offensichtlich ist dies beim Edelmetallhandelshaus pro aurum ähnlich.

In einem Juli-Marktbericht stellte Robert Hartmann, Mitbegründer des Unternehmens, fest, dass die aktuelle Angebotslage für Silbermünzen und -barren weiterhin angespannt ist. Laut Hartmann sind pro aurum bereit, mehr Unzen Silbermünzen zu kaufen, als die Produzenten derzeit zuteilen. Sein Fazit lautet: „Wenn man von der Ware nicht so viel bekommt, wie man zum aktuellen Weltmarktpreis von Silber verlangen möchte, dann stimmt meiner Meinung nach etwas mit dem Preis nicht.“

Für Anleger mit viel Geduld und Risikobereitschaft sind Silber-ETFs aufgrund der aktuell hohen Aufschläge sowie der Mehrwertsteuer und Lagerkosten von Barren und Münzen ebenfalls eine Alternative. Allerdings muss man großen Wert auf die physische Hinterlegung von Silber legen. Bei solchen Stichproben schwankt die Gesamtkostenquote (TER) jährlich zwischen 0,39 und 0,49 Prozent

Übrigens: Sollte der Silberpreis in den kommenden Jahren ein neues Rekordhoch erreichen, wird dies zu einer Performance von über 100 Prozent führen, immerhin kostete das Edelmetall im April 2011 rund 50 US-Dollar (aktuell: 20,24 US-Dollar).

Über den Autor: Jörg Bernard

Jörg Bernhard ist freiberuflicher Wirtschaftsjournalist mit den Schwerpunkten Rohstoffe, Edelmetalle, Börse, Hebelprodukte und Anlagezertifikate. Vor der Selbständigkeit war er von 1994 bis 2002 beim Münchener Verlag in der Abteilung Akzidenzpresse als Redakteur, stellvertretender Chefredakteur und Chefredakteur tätig.

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