Verdauungssystem: Der Personalmangel nähert sich dem Höhepunkt

Kneipenbesitzer Matthias Struns in Ratzersdorf bei St. Pölten kann sich nicht über Gästemangel beklagen, sondern über Personalmangel: „Wir haben genug Gäste, er ist an einer helfenden Hand gescheitert“, sagt er. Drei neue Mitarbeiter „wäre schön und nicht schlecht“, da zwei Stellen im Service und eine in der Küche zu besetzen seien.

Die Zahl der offenen Stellen ist im Vergleich zum Vorjahr um zwei Drittel gestiegen

Vor einem Jahr versuchte Strunz, AMS-Mitarbeiter zu recherchieren. Anfragen habe er jedoch nicht erhalten. Das Schicksal ist nicht allein mit ihm. Innerhalb eines Jahres, seit Mai 2021, ist die Zahl der offenen Stellen beim AMS Niederösterreich um fast zwei Drittel gestiegen. Ende Mai 2022 waren 2.502 Stellen ausgeschrieben.

Unterstützung bekommt Matthias Struns derzeit von Freunden, die neben ihrem Hauptberuf im Service arbeiten. Er selbst arbeite von 7 bis 23 Uhr, sagte er. Warum sich niemand meldet, ist ihm ein Rätsel: “Wir sind ein St. Pöltner Unternehmen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir schließen sonntags und an Feiertagen unsere Türen.”

Der Trend geht von einer Vier-Tage-Woche aus

Gleiches gilt für Gastwirt Hans-Jörg Hinterleithner im Hofamt Priel (Bezirk Melk). Er ist auch sehr auf der Suche nach Mitarbeitern und kann sich nicht erklären, warum er auch keine Mitarbeiter finden konnte. Im Interesse der Mitarbeiter entschied sich Hinterleithner für die Einführung der Vier-Tage-Woche. Es ist jetzt von Mittwoch bis Samstag geöffnet, damit die Mitarbeiter auch ihr Familienleben genießen können, sagt er. Anfragen kommen jedoch nicht. Auch auf die ausgeschriebene Ausbildung bewirbt sich niemand.

Generell sei die Vier-Tage-Woche derzeit ein sehr spürbarer Trend, sagt Gastronomie-Ressortleiter Mario Bolker im „NÖ Heute“-Interview. Viele Unternehmen haben es bereits eingeführt. „Ich denke, Unternehmer müssen hier umdenken“, sagt Polker, der auch betont, dass eine Vier-Tage-Woche nicht jedermanns Sache ist.

Referatsleiter: Lage „sehr gefährlich“

Polker sagt, die Situation sei aufgrund von Personalmangel jetzt “extrem gefährlich”. Viele Geschäfte müssen Öffnungszeiten festlegen oder sogar für mehrere Tage schließen. Er sagt, er selbst sei auch berührt gewesen, als er die Küchenzeiten und Menüoptionen in seinem Unternehmen reduzieren musste.

Ein Grund für den starken Personalmangel ist laut Bolker die Pandemie. Gerade nach dem jüngsten Shutdown hatten sich viele Mitarbeiter umgeschult. Das belegen auch Zahlen des AMS. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres wechselten in Niederösterreich 654 Menschen aus der Gastronomie in eine andere Branche.

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