„Thirteen Lives“ auf Amazon Prime: Das Wunder – Kultur

Irgendwann kommt der Moment, wo du insgeheim Angst hast. Betreten Sie Viggo Mortensen und Colin Farrell, die Helme mit angebrachten Taschenlampen und Spezialanzüge tragen, die erforderlich sind, um in die tiefsten Höhlen der Erde einzutauchen. Sie sehen ernst aus und sagen nicht viel, aber ihre Coolness ist offensichtlich. Ihre Anwesenheit trägt eine unmissverständliche Botschaft: Sobald er Aragorn und Alexander den Großen rettet, kann nichts mehr schiefgehen.

Und das ist etwas schade, denn die Spannung in Ron Howards „Thirteen Lives“ besteht gerade darin, dass bis zur letzten Minute alles schief gehen kann. Es ist ein Schauspiel 12 Fußballjungen und ihr Trainer werden 2018 von Sturzfluten in der Tham Luang-Höhle in Nordthailand eingeschlossen.. Neun Tage lang blieb die Welt leblos, dann wurden die Vermissten abgemagert, aber unverletzt in einer fast unzugänglichen Mulde im Innern des Berges entdeckt. Zwei Militärtaucher starben beim Versuch, sie herauszuholen, und schließlich gab es rund um die Uhr Berichte – sogar eine wundersame Rettung.

Thera Chotikul (links) ist ein Marine, aber Viggo Mortensen als Rick Stanton taucht besser. Was könnte mit Aragorn passieren?

(Foto: Vince Valletotti/Amazon Prime)

Diese Geschichte von Durchhaltevermögen und Überlebenswillen, globaler Hilfe und Teamgeist für diese gigantische Rettungsaktion hat schon viele Romane inspiriert: Bücher, Filme, Serien u Der große Dokumentarfilm „Rettung“. Im Kampf um private Filmrechte, die auch den Geretteten und ihren Familien Zugang verschafften, hat Veteran Ron Howard, der nun sozusagen die Hollywood-Version drehen darf: einen Spielfilm mit Stars und großem Budget, finanziert von MGM u Amazon Prime triumphierte schließlich.

Wenn ein Hollywood-Label mit wahren Geschichten wie dieser ins Spiel kommt, erwarte erstmal nichts Gutes. Werden einige Beteiligte zum Superstar-Status eines großen Stars aufgeblasen, der bereit ist, sie zu spielen, während andere zu Randfiguren reduziert werden? Sind es nur ein paar Engländer (alt, weiß, männlich), die als weltbeste Höhlentaucher das Unmögliche schaffen, umgeben von widerstrebenden Thais, belohnt mit Tränen aus dankbaren Kinderaugen?

Nun, siehe oben: Auch Ron Howard kann sich den Grenzen und Fallstricken des Starkinos nicht entziehen. Aber er tut sein Bestes, um es zumindest zu versuchen. Viggo Mortensen & Co. müssen Teilen Sie die Leinwand mit vielen Schauspielern, denn jede wichtige Person sollte erscheinen: die Jungs, ihr Trainer, ihre Eltern; der gehorsame Herrscher, der die Operation leitete und der im Falle eines Scheiterns bereits zum Sündenbock ernannt wurde; Taucher der thailändischen Marine, die Opfer in ihren Reihen hatten; der Ingenieur, der mit den Einheimischen unermüdlich die Abflussrohre verlegte; Sogar Bauern, die sich freiwillig bereit erklärt haben, ihre Felder zu überschwemmen und ihre Ernte zu verlieren („an die Jungs!“).

Großer Handspieß, Teamwork feiern

Letztendlich versucht William Nicholsons erstaunlich realistisches Drehbuch genau das: die unterschiedlichsten Sichtweisen zusammenzubringen, unterschiedliche Teams und ihre Arbeit zu würdigen. Der Sieg über die Naturgewalten der Monsunflut wird gemeinsam zu einer großen Größe und spuckt auf Hände über Nationalitäten, Gerichtsbarkeiten und Ränge hinweg. Mit Improvisation, Überlegung, Zögern und wieder Vorpreschen, mit vielen kleineren und größeren Kunststücken.

Unter den aktiven Filmemachern Hollywoods gilt Ron Howard als der große Optimist. Wie in seinem gar nicht so anderen Weltraumrettungsfilm „Apollo 13“ empfindet man Respekt vor der Realität menschlicher Leistungen und Erfahrungen, die sich nicht dramaturgisch modifizieren lassen. So sind die Momente des Herzschlags, in denen es um Leben und Tod geht, manchmal subtil: ein Sauerstofftank, der sich tödlich zwischen den Stalaktiten verfängt; Ein Führungsseil rutscht einem Taucher in trüben Höhlengewässern aus der Hand; Das Geräusch eines Kindes, das unter einer Schnorchelmaske atmet, hört plötzlich auf…

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So wird der Film zu einer Art Geschichtsstunde darüber, wie die Rettung im Detail funktionierte, und noch später wundert man sich, wie gering die Chance aller Eingeschlossenen ist, zu überleben. Die Vielfalt der einzelnen Schicksalsstränge, miteinander verknüpft und verwoben, wird zur dramatischen Herausforderung: Man versteht, warum sie alle ihren Platz in „Thirteen Lives“ haben sollen, erkennt aber, dass viele persönliche Aspekte der einzelnen Charaktere zurückgelassen werden. Der Film ist so lang und manchmal fühlt es sich an, als würde er nicht atmen. Die Tatsache, dass es immer noch in ein erfolgreiches Drama passt, spricht Bände über das klassische Erzählhandwerk seiner Macher.

Ein ganz besonderer Wermutstropfen bleibt nur für die Zuschauer, die “Rescue” gesehen haben – die gleiche Geschichte wie in der Doku. Lernen Sie die beiden wichtigsten Rettungsschwimmer, die Engländer John Volanthen und Rick Stanton, gut kennen. Sie sehen offensichtlich nicht aus wie die Colin Farrell und Viggo Mortensen, mit denen sie gerade spielen. Sie mögen die besten Höhlentaucher der Welt sein, aber niemand würde sie auf den ersten Blick als fantastisch bezeichnen. Sie können ein Gefühl dafür bekommen, wie seltsam ihre Hobbys sind und wie sie immer noch damit rechnen, lächerlich gemacht zu werden. Aber gerade mit ihrem schrulligen Design sind sie unwiderstehlich. Ein Actionfilm in Hollywood wagt sich an solche Hauptfiguren heran – das wird wahrlich etwas Neues.

dreizehn LebenGroßbritannien 2022 – Regie führte Ron Howard. Autoren: William Nicholson. Kamera: Sayombo Mukdebrom. Musik: Benjamin Walfisch. Mit Colin Farrell, Joel Edgerton, Viggo Mortensen, Sokolawat Kanarut, Theravat Sajakul. Amazon Prime, Streaming starten: 5. August 2022

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