Terrorvorwurf: Angriff trotz gescheitertem Fluchtplan

Eineinhalb Jahre nach dem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt gibt es nun Anklage gegen sechs Verdächtige. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie das Attentat mit vorbereitet haben. Die Anklageschrift zeigt, wie besessen der Mörder von seinen Plänen war. Weitere Verdächtige werden vermisst.

Vier Tote, 19 Schwerverletzte, mehrere Menschen mit leichten Verletzungen und psychischen Folgen. Das ist die traurige Bilanz des islamistisch motivierten Terroranschlags vom 2. November 2020 in der Wiener Innenstadt.

Eineinhalb Jahre später haben die Ermittler nun eine Anklage gegen sechs Männer abgeschlossen – und sie ist noch nicht rechtskräftig. Es ist in PULS 24 abrufbar. Fünf der Angeklagten sitzen bereits in Untersuchungshaft. Allen wird vorgeworfen, den Angriff „ermöglicht, ermöglicht oder anderweitig gefördert“ zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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Die Staatsanwaltschaft zeichnet ein neues Bild des Anschlags und seiner Vorbereitung: Ermittler glauben zum Beispiel – wer „Basic„Erstmals am Mittwoch gemeldet – der Angeklagte war nicht mehr allein, als das Geständnisvideo aufgenommen wurde.

Der Mörder soll nun von einem der Angeklagten in die Slowakei begleitet worden sein, wo versucht wurde, Munition zu kaufen. Helfen Sie einem anderen, das Ziel des Angriffs auszuwählen. Ein weiterer Angeklagter soll bei der Lieferung von Waffen geholfen und ein weiterer potentieller Partner einen tatsächlichen Waffen- und Munitionskauf organisiert haben.

Die Tat sei im Alleingang begangen worden – mindestens sechs weitere Personen sollen die Vorbereitung initiiert und mitgewirkt haben – so die Anklageschrift.

Nach dem Terror in Wien: Sechs Personen angeklagt

Die Anklageschrift zeigt aber auch, wie besessen der Killer selbst von seinen Anschlagsplänen war. Nach dem Attentat gab es keine Fluchtmöglichkeit, das eigentliche Ziel war verschlossen. Die Terroroperation wurde jedoch durchgeführt.

Bereits 2018 wollte der spätere Killer erstmals nach Syrien reisen, um sich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) anzuschließen. 2019 wurde er wegen der Verbrechen der Terrorgruppe und der kriminellen Vereinigung verurteilt. Ein ehemaliger Häftling gab an, der künftige Mörder habe bereits während seiner Haft Pläne geäußert, einen Anschlag auf Wien zu starten.

Der spätere Mörder und ein nun angeklagter 23-jähriger Mann kamen jedoch 2019 frei. In der Anklageschrift heißt es: „Beide blieben auch nach ihrer Haftentlassung in engem Kontakt mit anderen Personen aus der radikal-islamischen Szene, beide über soziale Netzwerke media social oder in Form von persönlichen Treffen.

Ein Attentat trotz gescheiterter Fluchtpläne?

Im Frühjahr 2020 – etwa ein halbes Jahr vor dem Anschlag – kontaktierte der 23-Jährige einen Makler, der seinerseits in Italien ein Dokument fälschte, um einen Ausweis mit der falschen Identität des Killers vorzulegen.

Nach dem Angriff vom November 2020 wurde der Mediator festgenommen. Im Oktober 2021 wurde sein Fall vor dem Landesgericht Linz verhandelt – er wurde schließlich freigesprochen. Ein terroristischer Bezug konnte nicht nachgewiesen werden und da er sich bei seinem Einsatz im Kosovo aufgehalten hat, sind österreichische Gerichte nicht zuständig für Urkundenfälschungen, wie z.Basichabe ich damals erwähnt.

Die Staatsanwaltschaft in Oberösterreich ging damals davon aus, dass der Mörder erneut Pläne hatte, sich dem IS anzuschließen, forderte daher die gefälschten Dokumente und hatte dafür bereits 1.400 Euro bezahlt.

Doch obwohl der Fälscher in Italien gefasst wurde und der Ausweis den späteren Angreifer nie erreichte, geht eine neue Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Wien nun davon aus, dass die Dokumente nach dem Anschlag für Fluchtpläne verwendet worden sein sollen. Das wird dem 23-Jährigen nun unter anderem vorgeworfen.

Der 23-Jährige wusste, dass der Killer „falsche Papiere benötigen würde, um unter falschem Namen in das Kriegsgebiet in Syrien zu reisen, um den Islamischen Staat zu unterstützen und auch – falls seine Pläne scheitern sollten, das Land zu verlassen – sowie seine zu erleichtern nach Durchführung des geplanten Anschlags ins Ausland reisen”. Der Fluchtplan scheiterte an fehlenden Unterlagen – doch der Anschlag fand statt.

Bones: „Der Täter hatte bereits Angriffspläne im Gefängnis“

Nicht allein im Bekenntnisvideo

Der 23-Jährige soll mit einem weiteren Verdächtigen – einem 21-Jährigen – bei dem späteren Mörder gewesen sein, als dieser am Tag des Angriffs sein Geständnis auf Video aufzeichnete. Dieser sollte in erster Linie die Kontaktdaten festlegen. Bisher haben die Angeklagten angegeben, dass sie nur ein Buch mitgebracht haben.

Das Video des Geständnisses wurde bereits am 3. November auf den Social-Media-Kanälen des IS unter dem Titel „Tötung und Verwundung von 30 Kreuzfahrern durch einen Soldaten des Kalifats in Wien, Österreich“ veröffentlicht. Für die Staatsanwaltschaft Wien „steht zweifelsfrei fest (…), dass der Mörder ihn aktiv bei der ideologischen und logistischen Vorbereitung des Anschlags unterstützt.“

Am selben Tag soll der 23-Jährige mit seinem Handy in der Wiener Innenstadt nach „Le Salzgries Paris“ gesucht haben, während der Killer versuchte, das Restaurant telefonisch zu erreichen. Das französische Restaurant wurde wegen der bevorstehenden Schließung geschlossen – das eigentliche Ziel des Angriffs war laut Anklage aber, weil das französische Satiremagazin Charlie Hebdo im Herbst 2020 wieder Karikaturen von Mohamed veröffentlichte. Das Ziel wurde geschlossen – aber der Angriff fand statt.

Die Anklage behauptet auch gegenüber dem Terrorismusexperten Nicholas Stockhammer von der Donau-Uni-Krems, der Anschlag in Wien sei “sowohl ein Einzeltäter als auch eine Struktur” gewesen. Der Angeklagte sei allein bei der Hinrichtung gewesen, habe aber zuvor “Zellenunterstützung” erhalten, sagt er im Interview mit PULS 24.

Es ist noch nicht klar, wann die sechs Angeklagten vor Gericht gestellt werden – und ihre Anwälte haben zwei Wochen Zeit, um die Anklagen gegen sie anzufechten. Mehr als 20 Zeugen werden jedenfalls sicher gerufen.

Andere Vorgänge können verfolgt werden

Klar ist aber auch, dass es weitere Operationen geben wird. So wird etwa ein Slowene, der Waffen nach Wien gebracht haben soll, separat vor Gericht gestellt. Im laufenden Verfahren wird er als Zeuge geladen. Es kann nicht bewiesen werden, dass er den Grund für den Einsatz der Waffen kannte.

Getrennt angeklagt ist auch ein 24-jähriger Nordmazedonier, in dessen Wohnung in St. Pölten im Vorfeld des Attentats “Dschihadistentreffen” stattgefunden haben sollen, der ebenfalls als Zeuge geladen wurde. Es wird auch gesagt, dass der Mörder beteiligt war.

Stockhammer sieht die gesonderte Anklage gegen den 24-Jährigen als Hinweis auf seine „Ausnahmerolle“ – er habe zur Radikalisierung anderer beigetragen und auch „erklären können, wie die Tat taktisch durchgeführt wurde“.

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