Studie: Sozialer Stress lässt unser Immunsystem schneller altern

Vereinigte Staaten – Studio
Sozialer Stress lässt unser Immunsystem schneller vorankommen

Wer häufig sozialem Stress ausgesetzt ist, hat ein schwächeres Immunsystem (Avatar)

© Dominic Lipinski/Picture Alliance

Laut einer aktuellen Studie der University of Southern California führen sozialer Stress, Mobbing und Depressionen zu einem schnelleren Immunsystem im Alter. Dadurch kann die Anfälligkeit für verschiedene Krankheiten deutlich erhöht werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf RTL.de.

Wer im Alltag gemobbt wird oder arbeitslos ist, leidet meist doppelt: Sozialer Stress lässt laut einer aktuellen Studie unser Immunsystem schneller vorankommen. Das wiederum erhöht die Anfälligkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, aber auch für Covid-19.

Mit zunehmendem Alter wird unser Immunsystem schwächer

Unser Immunsystem schützt uns vor Viren, Bakterien und anderen Krankheitserregern. Je fitter wir sind, desto weniger leiden wir unter Infektionskrankheiten wie Erkältung, Grippe und Co. Aber auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird zum Beispiel davon beeinflusst, ob unser Immunsystem gesund ist oder nicht. Ein geschwächtes Immunsystem beeinträchtigt jedoch nicht nur das Auftreten der Krankheit, sondern auch die Wirksamkeit von Impfstoffen.

Mit zunehmendem Alter lässt unser Immunsystem nach. Beispielsweise produziert es weniger Antikörper. Gleichzeitig erkennen Immunzellen Antigene nicht mehr schnell und reagieren daher verzögert auf Fremdkörper. Wann dieser Alterungsprozess beginnt, ist von Person zu Person unterschiedlich.

Wissenschaftler der University of Southern California haben nun untersucht, ob sich sozialer Stress auf die Alterung des körpereigenen Immunsystems auswirkt. Die Forscher unter der Leitung von Eric Klobak von der School of Gerontology veröffentlichten ihre Ergebnisse in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).

Chronischer Stress, Traumata und dergleichen schwächen das Immunsystem

Im Rahmen der Studie untersuchten die Forscher den Zusammenhang zwischen sozialem Stress und typischen Alterungserscheinungen des Immunsystems. Dafür werteten sie Daten von insgesamt 5.744 über 50-Jährigen aus. Studienteilnehmer beantworteten Fragen, die beispielsweise auf Mobbing-, Diskriminierungs- oder Arbeitslosigkeitserfahrungen abzielten. Auch chronischer Stress und belastende Lebensereignisse (z. B. Partnerverlust) oder Traumata wurden im Fragebogen berücksichtigt.

Schließlich wurden die Umfrageergebnisse mit Datensätzen der Comprehensive Health and Retirement Study der University of Michigan kombiniert. Dabei handelt es sich um eine seit 1990 durchgeführte nationale Längsschnittstudie zur Gesundheit und zum Ruhestand von Amerikanern. Im Rahmen der Studie werden die Teilnehmer alle zwei Jahre zu ihrem Lebensstil und ihrer Gesundheit befragt. Auch Blutproben von Personen werden kontrolliert.

Die Folge: Wer häufig sozialem Stress ausgesetzt ist, hat ein schwächeres Immunsystem. Dies kann in weniger Immun- und Abwehrzellen wie T-Zellen oder in weniger aktiven Antikörpern auftreten.

Es hat sich gezeigt, dass diejenigen, die chronischem Stress oder einem Lebenstrauma ausgesetzt waren, einen geringeren Anteil an naiven CD4-Zellen haben. Der Lebensdauerdefekt wurde beispielsweise bei einem kleineren Anteil naiver CD8-Zellen rückgängig gemacht. CD4 und CD8 sind Glykoproteine, die auf der Oberfläche von Zellen des Immunsystems wie T-Zellen oder Makrophagen zu finden sind.

Auch andere das Immunsystem beeinflussende Faktoren wie Body-Mass-Index (BMI), Alkohol- und Zigarettenkonsum sowie Bildungsgrad wurden berücksichtigt. Es hilft auch bei vorzeitiger Alterung des Immunsystems. Sozialer Stress beschleunigt indirekt die sogenannte Immunalterung.

Entspanne dich so gut du kannst

Ziel der Studie war es, die verschiedenen Faktoren, die die Gesundheit im Alter beeinflussen, besser zu verstehen. „Da die Weltbevölkerung immer älter wird, müssen die Unterschiede in der Gesundheit älterer Erwachsener verstanden werden“, sagte Eric Klopak, Hauptautor der Studie. Seiner Meinung nach spielen altersbedingte Veränderungen des Immunsystems “eine entscheidende Rolle beim Rückgang der Gesundheit”. Mithilfe der Studie können die Mechanismen aufgeklärt werden, die für die beschleunigte Alterung des Immunsystems mitverantwortlich sind.

Auch wenn viele der genannten Ursachen für sozialen Stress einfach nicht beseitigt werden können, zeigt die Studie, wie wichtig es ist, Stress zumindest an den selbst kontrollierbaren Stellen zu vermeiden. Kümmern Sie sich möglichst um kleine Entspannungseinheiten: Ein Spaziergang, eine Dusche, ein Saunabesuch oder ein kurzes Telefonat mit dem Liebsten wirken oft Wunder.

RTL.de/Nora Rieder

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