Social Media im Versicherungsvertrieb – aus rechtlicher Sicht

22.06.2022 – Marketing, Werbung und Kundenkommunikation über Social Media? Rechtsanwältin Therese Frank wies in einem Symposium auf einige Aspekte hin, die es zu beachten gilt, etwa Impressumspflicht, Kennzeichnung von Anzeigen und unerlaubte Nachrichten. Was mir bei vielen Profilen aufgefallen ist, ist die Vermischung von Privat- und Berufsleben.

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Smartphone (Foto: dole777 auf Unsplash)
Foto: dole777 auf Unsplash

Wenn Sie Social Media für den Versicherungsvertrieb nutzen möchten, gibt es einige rechtliche Aspekte zu beachten.

auf ihn Theresa FrankRechtsanwalt in Wien, am Montag bei einem Webinar für Verband der Versicherungsexperten (GVFW) Aufmerksam.

Aus rechtlicher Sicht ist das „Social-Media-Recht“ kein eigenes Rechtsgebiet.

Es ist „ein Querschnitt durch viele verschiedene Rechtsgrundlagen“, sagte Frank und hob einige Punkte hervor, die es zu beachten gilt.

Erinnere dich daran, wer und was du bist

Es besteht die Pflicht, einen Fußabdruck zu hinterlassen. Vielen Profilen fehlt jedoch eines. „Wenn Sie eine Dienstleistung online anbieten – egal, ob es sich um eine Website oder ein Social-Media-Profil handelt – braucht es auf jeden Fall einen Fingerabdruck.“

Neben dem Firmennamen müssen auch Anschrift und Aufsichtsbehörde angegeben werden, beispielsweise wenn Sie als Makler oder Vermittler tätig sind.

Privates und Berufliches trennen

Bei der Recherche von Social-Media-Profilen ist Frank zudem aufgefallen, dass private und kommerzielle Bereiche oft vermischt werden: Private Profile werden oft im Zusammenhang mit Verkaufszwecken verwendet, bei denen letztlich nicht ganz klar ist, wer hinter dem Profil steckt.

Nur weil Sie bei einer Versicherungsgesellschaft oder einem Versicherungsmakler angestellt sind, heißt das noch lange nicht, dass Sie Versicherungen über Ihr eigenes Profil verkaufen dürfen – zumal Sie dazu nicht berechtigt sind. Stattdessen sollte dafür ein Arbeitgeberprofil verwendet werden.

Ankündigung der Flagge

Ein wesentlicher Grund für den Einsatz von Social Media im Verkauf ist natürlich die Bewerbung Ihres Sonderangebots. Dabei ist zu beachten, dass Marketingkommunikation als solche gekennzeichnet werden muss.

Diese Einteilung ist in den sozialen Medien sehr wichtig, da hier einiges „verwischt“ wird: Anzeigenposts wechseln sich mit anderen Inhalten ab.

Auch wenn beispielsweise das Profil der Versicherung explizit ist, empfiehlt Frank, werbliche Postings mit dem Hinweis „Werbung“ zu versehen – gerade weil Unternehmensprofile typischerweise auch für andere Zwecke als reine Produktwerbung genutzt werden; Beispiel: Ein Bild von einem gemeinsamen Essen bei der Arbeit.

Keine unerwünschten Kontakte

Ein weiterer Grund, Social Media im Vertrieb einzusetzen: Kunden finden und Kontakte knüpfen. Aber Frank warnt: Einfach irgendjemanden anschreiben, das geht nicht. § 174 TKG Solcher Spam, in der Telefonie auch als „Cold Calling“ bekannt, ist verboten.

Unerbetene Kommunikation ist nicht nur per Telefon, sondern auch auf elektronischem Weg erlaubt – E-Mail, SMS, Chat-Anwendungen, Direktnachrichten über soziale Medien usw.

Anders verhält es sich, wenn bereits ein Vertragsverhältnis besteht, das ähnliche Produkte umfasst. Beispiel: Der Kunde hat bereits eine Lebensversicherung und der Berater kontaktiert ihn diesbezüglich.

Aber: „Meiner Meinung nach ist nicht jede Versicherung gleich, nur weil es eine Versicherung ist.“ Mit anderen Worten, die Tatsache, dass jemand eine Lebensversicherung hat, berechtigt ihn nicht, Anzeigen für eine Hundehaftpflichtversicherung zu schalten, sagt Frank. Es gibt jedoch nur wenige offizielle Entscheidungen zu diesem Thema.

Alternative Chatbots

Als „streng“ wird übrigens das Spam-Verbot empfunden: Es darf nicht einmal kommuniziert werden, ob es sich bei der betreffenden Person um einen Fan oder Follower des Firmenprofils handelt. Die Einwilligung bzw. das Vertragsverhältnis muss also bereits bestehen.

Chatbots sind eine Alternative zu einer rechtskonformen Kontaktaufnahme: Wenn Sie beispielsweise bei Facebook einen solchen einrichten und Besuchern die Möglichkeit bieten, Informationen anzufordern, kann ein Interessent die Verbindung initiieren – was auch sein Einverständnis zur Verbindung geben würde.

Beachten Sie beim Posten den Datenschutz

Soziale Medien sind nicht nur textlastig, sondern auch besonders bildlastig. Frank empfiehlt, die von Ihnen geposteten visuellen Inhalte genau zu prüfen – auch und gerade, wenn es um das berufliche Umfeld geht.

Wer beispielsweise Fotos oder Videos aus dem Büro auf seinem Profil platziert, sollte darauf achten, dass nichts auf dem Foto Kundendaten preisgibt und Keyword-Daten schützen.

Um nicht mit dem Datenschutzrecht zu kollidieren, gilt es zudem, Direktnachrichtenfunktionen bei der Übermittlung sensibler Informationen rund um einen Versicherungsvertrag zu vermeiden: Policen über Instagram, Ablehnungen über Linkedin – so etwas ist nicht DSGVO-konform.

Urheber- und Bildschutz

Zu beachten sind unter anderem auch Urheber- und Bildschutz: Werke Dritter sind grundsätzlich gesetzlich geschützt und dürfen nicht beliebig verwendet werden. Dies gilt sowohl für Texte als auch für Bilder und Grafiken. Auch sei es nicht erlaubt, “unaufgefordert Personen zu fotografieren und damit Werbung zu machen”.

Was ist mit Aufnahmen, die Mitarbeiter zeigen? Manchmal herrscht der „Irrtum“ vor, dass man im beruflichen Kontext „machen kann, was man will“, wenn Mitarbeiter involviert sind. Dies ist jedoch nicht der Fall, und hier ist eine Zustimmung erforderlich.

In Bezug auf Veranstaltungen kann eine Datenschutzerklärung darauf hinweisen, dass Fotos nur zum Zwecke der Berichterstattung gemacht wurden; Wenn die Teilnehmer informiert werden, könne man sich auf ein “berechtigtes Interesse” berufen und die Fotos dann ohne gesonderte Zustimmung verwenden, sagt Frank.

Auch wenn Sie einen professionellen Fotografen beauftragen, heißt das nicht, dass Sie mit Bildern „alles“ machen können, sondern nur das, was vereinbart ist. Die Nutzung kann auf einen bestimmten Zeitraum oder auf ein bestimmtes Trägermedium – Print, Digital… – beschränkt werden.

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