„Sila“ als toller Auftakt für ein Festival der Alten Musik

Karl Heinrich Grauens Oper „Silla“ feierte am Freitagabend bei den Innsbrucker Festspielen der Alten Musik in der Regie von George Quander und in der Regie von Alessandro de Marchi Premiere. Das Operntheater der Gruft Friedrichs II. überzeugte das Tiroler Landestheater, bei den Innsbrucker Festspielen eine originelle Bühne, engagierte Sänger und ein wöchentliches Orchester zu gestalten.

Wenn Sie Schätze sammeln, wird es wahrscheinlich so sein. Ganz im Sinne seines Lehrers Rene Jacobs, der auch beim Innsbrucker Festival der Alten Musik tätig war, brachte de Marchi auch dieses Jahr wieder eine in Vergessenheit geratene Opernrarität auf das Programm. Der Festivalleiter, der 2023 ausscheidet, hat dieses Projekt besser denn je gemanagt.

Die Regie von Georg Quander, der die Spannung durchgängig aufrechterhalten konnte, und Julia Dietrichs üppiges Bühnenbild, trotz einer eher einfachen Handlung, scheinen ihm und dem Festspielorchester genau das Richtige zu sein. Jedenfalls musizierte er mit äußerster Präzision und Mut, die richtigen Stellen einnehmend und doch immer mit ungeheurer Sensibilität für den erstaunlichen Klangreichtum Scyllas im Kontext der Barockoper.

Daran ändert auch die eher schlichte Handlung der Oper, deren Texte Giovanni Pietro Tagliazcchi für ihre Uraufführung 1753 aus der französischen in die italienische Dichtung übersetzte, keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Die Geschichte, in der der römische Diktator Sheila, brillant gesungen und gespielt von Pejon Mehta, trotz seiner politischen Siege und Erfolge nicht wirklich glücklich war und schließlich seine Geliebte Otavia, brillant verkörpert von Eleonora Bellucci, gewaltsam aus ihren Liebsten herausholte und brachte ihn viel. Vom Weltraum auf andere Inszenierungsebenen.

Otavias Geliebter Postomeo, überzeugend inszeniert von Samuel Marinho, glänzte mit tänzerischer Stimmakrobatik, während „Otavia“ mit einem grandiosen Schauspiel auftrumpfen konnte, wo zum Beispiel eine gezielte Handbewegung und ein vernichtender Blick von all dem Leid und der Traurigkeit abstrahlten emotional aufgeladener Melodien auf den Punkt. Und davon gab es genug: Das Liebesduo der beiden war tief betroffen, und der erkundete Abgrund prallte plötzlich frontal aufeinander.

Auch die Gestaltung des Theaters führt zurück in die letzte Phase der Römischen Republik, als Lucius Cornelius Sulla, der als Vorbild für „Silla“ diente, wirkte. Mit der dezenten Beleuchtung, die die Bühne in Rot getaucht hat, als Otavia sich um ihren Liebhaber sorgte, findet sich hier generell genau die richtige Balance zwischen historischer und zeitloser Atmosphäre.

Für die Hauptdarsteller „Ottavia“ und „Silla“ gab es nach rund drei Stunden klarer Opernzeit vielleicht den freudigsten Applaus, denn alle Akteure, ob auf der Bühne oder dahinter, wurden mit tosendem Jubel belohnt. Auch de Marchi und sein Orchester erhielten lauten und langen Applaus. Das stimmt.

(Service – “Sella” von Karl Heinrich Grauen, Librettotext von Friedrich II., übersetzt von Giovanni Pietro Tagliazucci in italienische Poesie. Regie: George Quander. Musikalische Leitung: Alessandro de Marchi. Bühnen- und Kostümbild: Julia Dietrich. Mit Bejon Mehta – Silla, Valer Sabadus – Metello, Hagen Matzeit – Lentulo, Samuel Mariño – Postumio, Eleonora Bellocci – Ottavia, Roberta Invernizzi – Fulvia, Mert Süngü – Crisogono. Weitere Shows am 7. und 9. August. www.altemusik.at)

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