Siegfried – Wenn Kinder groß werden

Bei der Aufregung um den jungen österreichischen “Ring” gibt es viele verschiedene, neue und aufregende Dinge. Hagen zum Beispiel spielte lange vor seinem heroischen Mord eine Rolle. Das ist ein Novum, das Spaß macht und andere dazu animiert, die „Fehlerliste“ für den Regie-Auftritt nach „Götterdämmerung“ zu vervollständigen.

Inzwischen erreichten nicht nur das hochsommerliche Wetter und Cornelius Meister als Ringmeister im Schützengraben die Temperatur des Bayreuther Rings. Auch in der Halle geht es um das Für und Wider. Sicherlich nicht mit Sängern und Dirigenten und (vorerst wirklich) einem “Orchester”. Es gibt begeisterten Jubel, aber zumindest fairen Respekt. Auch wenn man sich wünschte, Tomasz Konechny, der nach dem Sturz des Stuhls wieder fit und stark war, wäre als Wanderer verständlicher, oder man könnte sich einen geradlinigeren Mime vorstellen als Arnold Bezoin. Von Okka von der Damerau gibt es einen ganz dezenten Erda-Look. Wilhelm Schoenghammer explodiert eindrucksvoll, da Pfner und Olafur Sigudarsson auch als Altrocker Albrich einen guten Bösewicht abgeben.

Tomasz Konecny ​​​​bei Der Rolle de Wanderers. – © Enrico Norat

Strahlender und frischer Siegfried

Andreas Schager verzichtet neuerdings auf Stoppschilder mit Größenbegrenzung. Aber ein so strahlender und frischer junger Mann, Siegfried, wie der Österreicher sein Debüt in Bayreuth gab, gehört an die Seite der fröhlichen Festspielmomente. Vor allem, wenn es ihm gelingt, Brünnhilde wie die strahlend glamouröse Daniela Kirchner aus ihrem langen Schlaf zu wecken!

Mime und Siegfried sind wie zuvor das Haus der Hundings im Keller untergebracht. Mime gibt vor, sich für den Jungen zu opfern – aber er braucht seine Krücke nicht wirklich. An seinem Geburtstag schenkt er ihm ein leuchtendes Schwert, das zerbricht, sobald es zerlegt wird. Das Schießen auf Zielscheiben im Nebenraum, Figurengruppen mit selbstgebastelten Puppen vor einem Puppentheater und Hefte mit spiegelndem Eis gehören zu Mimes Erziehungskonzept. Wotan hält hier für einen Beobachtungsbesuch. Es gehört zur Vorliebe des Regisseurs und Clan-Anführers für Rätsel, dass er seinem Enkel (oder Sohn – wir wissen es nicht genau) eine Krücke (für Pantomimen?) mit nach Hause bringt, die endlich das „echte“ Nothung enthält – eine Version des Jungen, den er findet. Aber er benutzt sie nur als Waffe gegen Mime. Wenn der Betrunkene zeigt, was er ist – nicht vor der Neidhöhle, sondern am Bett der Alten, ist Fafner eher luxuriös eingerichtet.

Eine Reihe von Luxuspflege

Hagen (jetzt Omar Siegfried) bevorzugt immer noch eine Baseballkappe und gelbe Kleidung und steht hier auf dem Krankenbett. Bei der charismatischen Anführerin/Waldvogel (Alexandra Steiner) neckt und begrapscht der alte Mann sie weiter. In diesem Bereich der Luxuspflege statten Alberich und Wotan Patienten einen sehr heuchlerischen Besuch ab. Als Mime mit Siegfried auftaucht, gibt der junge Mann dem alten Mann nach und fährt dem alten Mann den Weg davon, bis er in einem Herzinfarkt zu Boden stürzt. Niemand hilft. Als Siegfried wütend zuschaut, ist es Hagen, der dem alten Wafner das Kissen ins Gesicht drückt und ihm damit das Licht ausschaltet. Wer weiß, was Hagen unter der Fuchtel von Brudermorden an Neureichen erlebt hat.

Es ist Teil von Schwartz’ szenischem Witz, als Watan, als er Erda trifft, den Fehler macht, ihn an seinen berüchtigten Belästiger und nicht an Erda zu richten, aber vielleicht ist das erwachsene Mädchen, das sie einst in Sicherheit gebracht hat, diejenige, die sich mit ihr anlegt. Jedenfalls konnte er den Schock ihres Alters nicht verbergen.

Unterhaltsam ist auch die trendige Begrüßung, mit der Watan durchbrennt. Nachdem Siegfried und sein Freund Hagen, belastet mit einer ähnlich problematischen Kindheit ohne Eltern, hier auftauchen, kann Hagen endlich klicken – er kann Brünnhilde aus dem Kindergarten lernen oder zumindest erahnen, dass sie sich schon lange kennengelernt haben. Wenn er während eines Liebesduetts, das beginnt und dann eskaliert, abzieht, wäre das nicht weit von der absoluten Diskretion entfernt. Er hat viel von Siegfried gelernt und wir können uns immer noch auf ihn freuen.

Mit Brünnhilde, bandagiert (Schönheits-OP oder Schlaf?) in aufwändigem Tempo, muss Siegfried nicht nur seine Schüchternheit gegenüber Frauen überwinden, sondern auch konkreten Widerstand gegen die Zurückweisung ihrer Leibwächterin Grane und Brünnhilde. Erst wenn sie einen Wanderer-Wotanshut in den Händen hält (wir wollen nicht übertreiben, dass er nur als echtes Wanderwerkzeug spielte, als Brünnhilde tatsächlich weggebracht wurde. Er könnte noch dazu ein Monogramm gewesen sein), merkt man es : Siegfried! Ich kann, ja ich muss und vor allem will ich. Komm raus, Vorhang, atme tief durch und bravo und buh, wie es jeder liebt.

Wie auch immer, wir wollen wirklich wissen, was die Pyramidenerweiterung des Grundstücks ist und wie diese “Schleife” endet.

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