Nordex-Aktie schließt deutlich niedriger: Nordex fährt im ersten Quartal deutliche Verluste ein | 21.06.22

Der Windkraftanlagenbauer Nordex ist mit hohen Verlusten ins neue Jahr gestartet.

Als Gründe nannte das Unternehmen am Dienstag Kosten für die Neuausrichtung der Rotorblattproduktion, geringere Montageleistungen sowie erhöhte Kosten für Rohstoffe und Logistik. Damit reiht sich das Hamburger Unternehmen in eine ganze Kette von Windradherstellern ein, die unter Inflation stöhnen. Auch die Präsentation der Quartalsergebnisse musste Nordex wegen des Cybersecurity-Vorfalls verschieben.

Die Aktie, die aufgrund der verspäteten Zahlenbereitstellung erst am Montag das Small Business Segment des SDAX verlassen musste, brach im frühen Handel um sieben Prozent ein und erreichte damit den tiefsten Stand seit Juli 2020. Mittlerweile hat die Aktie mehr als 1 Drittel ihres Wertes verloren seit Anfang des Jahres. Analyst Jeffreys Konstantin Hess bezeichnete die Zahlen als schwach. Aber er sieht einen Hoffnungsschimmer: Der durchschnittliche Megawattstundenpreis bei Auftragseingängen im ersten Quartal ist der höchste seit Anfang 2019.

Nordex hat seine Verluste im ersten Quartal des Jahres deutlich erhöht. Unterm Strich fehle es bei rund 151 Millionen Euro, teilte das Unternehmen in Hamburg mit. Im Vorjahreszeitraum verzeichnete Nordex bereits ein Minus von rund 55 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis vor Reorganisationskosten (Ebitda) rutschte mit 52 Mio. € in die roten Zahlen nach einem Gewinn von 10,4 Mio. € im Vorjahr.

Ende Januar hatte Nordex angekündigt, die Produktion von Rotorblättern am deutschen Standort Rostock Ende Juni einzustellen. Das Unternehmen begründet dies mit einem herausfordernden Wettbewerbsumfeld und einer Nachfrageverschiebung nach größeren Rotorblättern, die nicht in Rostock gefertigt werden können. Nach neuesten Angaben sind rund 600 Mitarbeiter betroffen.

Eine Produktionsumstellung auf andere Rotorblätter und eine witterungsbedingt geringere Montageleistung reduzierten den Umsatz in einem guten Quartal auf 933 Millionen Euro. Der Auftragseingang ohne Servicegeschäft lag mit 903 Mio. € leicht unter dem Vorjahreswert.

Nordex hält an seiner bereits Ende Mai gesenkten Prognose für 2022 fest. Das Unternehmen bekräftigte zudem sein mittelfristiges Ziel, eine operative Marge (Ebitda) von acht Prozent zu erreichen. Für 2022 geht der Windenergieanlagenhersteller bei dieser Kennzahl von minus vier bis null Prozent aus.

CEO Jose Luis Blanco kommentierte die Zahlen: „Der Start ins Jahr 2022 war hart und verlief definitiv anders, als alle erwartet hatten.“ Die Kostensituation bleibe volatil, es gebe „erhebliche Störungen in der Lieferkette“. Bei der erwarteten mittelfristigen Margenerholung ist der Vorstandsvorsitzende auch auf Preiserhöhungen angewiesen.

In den letzten Wochen haben mehrere Windkraftanlagenhersteller wie Vestas und Siemens Gamesa ihre Jahresprognosen aufgrund steigender Kosten und Unterbrechungen der Lieferkette gesenkt. Der Ukrainekrieg verschärfte die Situation. Die hohen Kosten können nicht so stark an die Kunden weitergegeben werden. Dies gilt insbesondere für Onshore-Windenergieanlagen. Der hohe Wettbewerbsdruck und der daraus resultierende seit Jahren tobende Preiskampf haben zu einer Krise der Windenergie geführt, die ein Schlüsselsektor der Energiewende ist.

Die Nordex-Aktie schwankte nach schwachen Quartalskennzahlen stark

Nordex-Aktien, die in keinem großen Index der DAX-Familie mehr enthalten sind, befinden sich am Dienstag auf der Überholspur. In einem allgemein schwachen Industrieumfeld haben zweideutige Schlagzeilendaten für das erste Quartal, bei denen die Berichterstattung in den Bereich der Betriebsverluste abrutschte, die Anleger zutiefst beunruhigt, was zu Bilanzbedenken führte. Über XETRA fiel der Kurs zeitweise um 13 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Anleger hielten ihn jedoch zunehmend für ein Schnäppchen und der Kurs fiel bis auf 7,21 Prozent zum Handelsschluss. So schloss die Nordex-Aktie bei 8,68 Euro.

Restrukturierungskosten für die Rotorblattproduktion, eine geringere Anlagenleistung sowie gestiegene Rohstoff- und Logistikkosten belasteten das erste Quartal von Nordex. Der Nettoverlust ist gestiegen und das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) ist ins Minus gefallen. Laut Experte Ajay Patel von Goldman Sachs steht die Bilanz des Windkraftanlagenherstellers im Mittelpunkt. Ob die Mittel ausreichen werden, um die aktuelle Situation ohne weitere Maßnahmen zu beherrschen, ist fraglich. Er kündigte Unternehmensanleihen, die 2023 auslaufen.

Hamburg/Frankfurt (dpa-AFX)

Leave a Comment

%d bloggers like this: