Mark Dowding: Wann wird die Fed ihren Zinserhöhungszyklus beenden? | Märkte | 08.05.2022

Der Chief Information Officer von BlueBay Asset Management glaubt, dass der Zinserhöhungszyklus der Fed innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen sein könnte. Zunächst dürften aber übertriebene Kursbewegungen an den Märkten anhalten. Das liegt auch am weniger zuverlässigen „Future Routing“.

Mark Dowding, BlueBay Asset Management

© BlueBay Vermögensverwaltung

Unter den Anzeichen für ein verlangsamtes Wachstum preisen die Marktteilnehmer eine Zinssenkung um 75 Basispunkte in den USA im Jahr 2023 ein. Wir gehen derzeit davon aus, dass die US-Notenbank die Zinsen im September um 50 Basispunkte anheben wird“, schrieb Mark Dowding, Senior Investment Officer bei BlueBay Asset Management, in einem aktuellen Marktkommentar.

Weitere Anstiege dürften im vierten Quartal 2022 und im ersten Quartal 2023 folgen. Insgesamt schätzt Bluebay AM, dass die Fed Funds in sechs Monaten bei etwa 3,5 Prozent liegen und ihren Höhepunkt erreicht haben könnten. Diese Erwartungen sind jedoch mit Ungewissheit verbunden: Dowding räumt ein, dass künftige Leitlinien an Bedeutung verlieren und dass weitere Maßnahmen der Geldregulierungsbehörden stark von eingehenden Wirtschaftsdaten abhängen könnten.

Drei-Prozent-Marke in Sicht
Nach Ansicht von Dowding dürften die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen in den kommenden Wochen wieder leicht über 3,0 % steigen. Bluebay AM ging in den USA short und wurde Mitte letzter Woche aufgestockt, als die Renditen infolge des Besuchs von Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosis, in Taiwan fielen. „Wir glauben, dass die Zinskurve in den USA zu diesem Zeitpunkt des Zyklus stärker invertiert ist, als sie sein sollte, was dazu führt, dass wir die 10-Jahres-Renditen negativ bewerten“, bemerkt Dowding.

Bund: kürzer als hoch
Weniger pessimistisch ist der Blubay-AM-Mann gegenüber dem Deutschen Bund. Das bedeutet, dass das Unternehmen langfristig nicht mit signifikanten Kursrückgängen rechnet. Im Zuge des jüngsten Anstiegs der Renditen tendiert Bluebay jedoch eher zu einer Short-Position als zu einer Long-Position. Die Inflation in der Eurozone könnte erst Ende dieses Jahres ihren Höhepunkt erreichen.

Regierungen auf dem gesamten europäischen Kontinent arbeiten derzeit an fiskalischen Maßnahmen, um die Bevölkerung vor der durch steigende Energiepreise verursachten Lebenshaltungskostenkrise zu schützen. „Wir glauben also, dass die EZB ihre restriktive Haltung in den kommenden Monaten beibehalten kann, bis die Inflation zurückgeht“, sagte Dowding.

Italiens Wahlen werfen einen Schatten
Dowding bleibt skeptisch, dass die Europäische Zentralbank das Transfer Protection Instrument (TPI) nutzen wird, um italienische Staatsanleihen vor den bevorstehenden Wahlen des Landes zu stützen, es sei denn, die Spreads in der Eurozone weiten sich aus. Jüngste Daten zeigten, wie die Europäische Zentralbank im vergangenen Monat die Reinvestitionen aus ihrem Pandemie-Notfallkaufprogramm (PEPP) zugunsten italienischer Staatsanleihen angepasst hat. Allerdings konnte dies relativ wenig dazu beitragen, die steigenden Margen einzudämmen. Dowding sieht das Risiko einer weiteren Schwächung, wenn die Kampagne in den kommenden Wochen stärker wird.

Höhere Volatilität im Sommer
“Die Volatilität bleibt inmitten der Unsicherheit hoch, was die Renditen zweijähriger US-Treasuries betrifft, die sich Mitte dieser Woche innerhalb eines 24-Stunden-Zeitraums innerhalb eines Bereichs von 45 Basispunkten bewegten. Die Liquidität ist im Sommer geringer – und das könnte sein in beide Richtungen geben dem Markt übertriebene Bewegungen, schließt Dowding. (aa)

Leave a Comment

%d bloggers like this: