ImPulsTanz 2022: Die Gegenwart geht zurück zu ihren Wurzeln – Impulstanz 2022

„Wir leben in einer neuen Welt, in der Altes nicht mehr selbstverständlich ist“, sagt der belgische Choreograf Wim Vandekebus, dessen Locken bereits ein wenig ergrauen, im Vorfeld des diesjährigen ImPulsTanz.

Tatsächlich fühlt sich das diesjährige Programm von ImPulsTanz-Präsident Karl Regensburger und seinem Team wie eine Art Orientierungssuche in einer Welt an, in der Kunst wieder eine neue Rolle spielen kann. Diese Rolle der Kunst ist weniger elitär als wesentlich. Tanz- und Performancetheater will zu den Wurzeln unserer Kultur und unserer Kämpfe zurückkehren – und durch die Grundfragen der Kunst auch die Kämpfe unserer Gegenwart spüren. „Mich interessiert immer noch der Begriff der Harmonie“, sagt die große belgische Choreografin Anne-Teresa de Kersmaker im Interview mit ORF.at über ihre Arbeit „Mystery Sonatas“, die jetzt in Wien zu sehen ist: „Wenn ich Harmonie sage, dann ich bedeutet, dass es meiner Meinung nach nicht um Schönheit geht.“ , es geht um die Verbundenheit und Kohärenz der Dinge.

Fotoserie mit 4 Fotos

Anne van Aarchot

„Ich wette immer noch auf Schönheit“ – Anne Teresa De Keersmaeker und „Mystery Sonatas“

Frauen mit Wassereimern und Wasserspray

Wladimir Lobowski

Eröffnung des Festivals mit „Full Moon“ des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch

Schwarze Tänzer in weißen Gewändern

John Hogg

Dada Masilo und zurück zu den Wurzeln in Südafrika

Glaskugeln und Tänzer in einem Raum

Martin van den Abel

Wild wie immer: Jan Loyers und Needcompany

Die Choreografin plädiert nach eigenen Angaben für ein neues, nicht zuletzt ein persönliches Bewusstsein für ihre Umwelt, das die 40-jährige Wiener Arbeitsgeschichte seit Rosas Uraufführung 1984 bald erahnen lässt. De Keersmaeker sagt über die Erfahrungen der letzten Jahre: „Während der Pandemie haben wir gelernt, dass wir die Welt nur durch einen Filter getestet haben und dass wir Halbberater waren.”

Die Rolle der Schönheit und die Stellung des Menschen

Dass Schönheit immer noch eine Rolle bei der Interpretation der Gegenwart spielt, soll bei der diesjährigen Eröffnung von ImPulsTanz mit Pina Bauschs „Full Moon“ Stück aus dem Jahr 2006 demonstriert werden, das das Wuppertaler Pina Bausch Theater des Burgtheaters als Österreichische Uraufführung bringt.

Die Produktion von Mist, Damien Galettes dritter Zusammenarbeit mit dem japanischen Künstler Kohei Nawa, sollte zeigen, dass Tanztheater nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf der Leinwand stattfindet. Diesmal haben die beiden mit dem iranischen Regisseur Rahi Radwani und dem Nederlands Dans Theatre zusammengearbeitet und sind in eine wunderschöne Bilderwelt eingetaucht, die so etwas wie Menschheitsgeschichte erzählt – diesmal zu sehen im Österreichischen Filmmuseum.

Themen im Vordergrund

Natürlich werden auch einige in Wien bekannte Größen ihre Shows bei ImPulsTanz präsentieren. Auch hier liegt ein starker Fokus auf Flandern: Neben De Keersmaeker ist Jan Lauwers mit Needcompany dabei – und Dauergast Vandekeybus. Der berühmte Wiener Künstler feiert das 35-jährige Jubiläum der Ultima-Vez-Compagnie, ehrt dann den verstorbenen Festival-Mitbegründer Ismael Ivo – und gibt auch Unterricht. Es ist das Programm und gerade die Auseinandersetzung mit dem, was nicht mehr selbstverständlich ist, das dieses Festival prägen wird – und weit mehr einlädt als diejenigen, die wissen, was uns die Unsicherheit in den letzten Jahren angetan hat.

Das Programm im Remix Teil 1

„Die Notwendigkeit eines neuen Zusammenhalts“

Die von Pina Bausch ausgebildete Südafrikanerin Dada Masilo wird in der Performance von „Sacrifice“ mit ihrer Tanzfabrik den genauen Moment der Identitätsbildung aus der Idee des Rituals ableiten. „Sprachen sind in Südafrika vielfältig, weil es so viele davon gibt”, sagt sie. „Aber darunter liegt die Sprache der Rituale, die einem zumindest helfen kann, über sein eigenes Erbe nachzudenken. Aber, wie wir auch gesagt haben heraus, das kann nur funktionieren, wenn sich alle Menschen ihrer eigenen Identität bewusst sind.”

Fotoserie mit 4 Fotos

Tanzworkshop

Marta Lamowsk

Arsenal ist wieder der Ort, an dem alle beteiligt sein sollten

Mystery Sonate von Rosas Mystery von Theresa Deckersmacker

Anne van Aarchot

„Mystery Sonate“ von Anne Teresa de Kermaker

Needcompany Alles Gute von Jan Lauwers

Martin Vanden Abell

„Alles Gute“ – die Needcompany von Jan Lauwers ist auch 2022 wieder dabei

Don't Touch Your Precious Hands Me von Wim Vandekeybus

Danny Williams

„Hände berühren mich nicht, dein Schatz“ von Wim Vandekeybus

Das Privatrecht erhält eine neue Perspektive

Viele Shows werden den Kanon ihrer Kultur hinterfragen. Ebenfalls durch Abenteuer vertrat Vandekeybus mit seinem neuen Werk eine 4000 Jahre alte Hymne an die sumerische Göttin Inanna, um die verschiedenen Zustände der eigenen Geschichte zu erzählen. „Hände berühren mich nicht, Liebes“, heißt das Werk, bedingt durch die Zusammenarbeit mit dem französischen Künstler Olivier de Sagazan, der Vandekeybus in das uralte Prinzip der Verwandlung einführte und mit flammenden Köpfen und antiken Masken arbeitete.

Impuls Tanz

ORF.at

Karl Regensburger (Mitte), Wim Vandekeybus (mit Mikrofon) und eine Schar von Performern bei ImPulsTanz 2022 bei der Präsentation im Casino am Schwarzenbergplatz

Wieder einmal wird Vandekeybus Teil der Aufführung sein. Aus einem einfachen Grund, argumentiert er mit Blick auf Hannah Arendt: „Es ist unmöglich, die eigene Geschichte zu erzählen, das können nur Menschen, die einem nahe stehen.“ Bringen Sie den Erzähler auf die Bühne.

Impuls Tanz

ORF.at

Die neuen Stars von ImPulsTanz 2022: William Briscoe und W1ZE. W1ZE wird am Eröffnungsabend für Musik sorgen.

Mowgli wird ein Mädchen mit einer neuen Mission

Akram Khans Firma will beweisen, dass man die klassische Geschichte auf ein neues Fundament stellen muss. Mit „The Jungle Book Reimagined“ wird die Kolonialgeschichte dieses Klassikers von Rudyard Kipling entfernt. Das Dschungelbuch spielt nicht mehr in der glorreichen Vergangenheit, sondern in einer Zukunftslandschaft, die allein durch den Klimawandel völlig verzerrt aussieht.

Das Programm im Remix, Teil zwei

Mowgli ist kein Junge mehr, sondern ein sehr junges Mädchen, das er am Ende seiner Reise in der Originalgeschichte getroffen hat. Die Heldin Mowgli muss sich neuen Herausforderungen stellen und die Welt um sie herum bedrohen. Die Aufführung ist ausgesprochen lyrisch und poetisch, da das Festival im Rahmen einer zusätzlichen Nachmittagsshow auch ein junges Publikum ansprechen möchte.

Lernen von den Weisen

Eine der einflussreichsten Aufführungen des Festivals ist im Museum of Modern Art zu sehen. Die ungarisch-rumänische Künstlerin Poglarka Borksuk stellt sich in „Perception of Age“ dem, was sie „Wissen vom alten Körper“ nennt. Für dieses Projekt hat Börcsök die über 90 ungarischen freischaffenden Tänzer aufgespürt, die die Körperwahrnehmung in Ungarn geprägt haben. Erneut filmisch dokumentiert die Möglichkeiten der Navigation im Alter. Neben den aufgezeichneten Videosequenzen wird die Künstlerin die Geschichten der Frauen als Reenactment nacherleben – ein Vorgang, den sie als beängstigend, aber im positiven Sinne beschreibt. Je nach Hintergrund ihrer Arbeit kann das Wissen dieser Frauen an eine neue Generation weitergegeben werden, insbesondere über die Grenzen politischer Differenzen hinweg.

Das Festival vom 7. Juli bis 7. August konzentriert sich in puncto Veränderungen auf eine ganze Gruppe: die Besucher der Klassik-Künstler, junge Leute, die Sie über Ihren „Festsaal“ (mit FM4) ansprechen wollen. Und alle, die in der Stadt leben, kommen mit dem Programm „Public Moves“ in die Donaustadt.

ORF.at begleitet das Festival mit einem eigenen Sender. Auch auf FM4 und ORF III wird es Festivalschwerpunkte geben.

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