Ford-Aktie fällt vor Markt: Ford-Werk in Deutschland verliert im Kampf um Investitionen | 22.06.22

Schlechte Nachrichten für das Saarland: Der US-Autobauer Ford verzichtet auf ein wegweisendes Investitionspaket für sein saarländisches Werk.

Stattdessen werde im spanischen Valencia eine Elektrofahrzeug-Plattform – auch „Architektur“ genannt – gebaut, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Das Unternehmen sagte, es gebe eine “beste Anlage vor Ort”, um Fahrzeuge auf Basis der Elektrotechnik herzustellen.

Die Entscheidung trifft 4.600 Ford-Mitarbeiter im Saarland hart. Da die Produktion von Autos vor Ort nur bis 2025 versichert ist, wird die Produktion des Verbrennermodells Ford Focus auslaufen. Die Belegschaft hoffte, dass dank Investitionen in die Elektrotechnik die meisten Arbeitsplätze dann sicher wären. Die Entscheidung der Regierung zerstört nun diese Hoffnung.

Marcus Tal, Betriebsratsvorsitzender des Standorts Saar-Louis, zeigte sich zutiefst erschüttert und wütend: „Wir wurden belogen, betrogen und übers Ohr gehauen. Wir sind drei Jahre gegen eine Wand gefahren“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. Die Jobbörsen sprachen in ihrer ersten Stellungnahme von einem “Rahmenspiel” und einer “Scheinaktion”. Du hast gekämpft und alles gegeben, warst klarer Sieger des Bieterwettbewerbs und jetzt wird dir dein Erfolg geraubt.

Der deutsche Gesamtbetriebsratschef Benjamin Groschka nannte die Entscheidung von Ford ein “Vollversagen der Europazentrale”. Laut Jobbörsen war die Standortentscheidung von Anfang an klar. Der einzig mögliche Grund, Arbeitnehmervertreter in Spanien und Deutschland zu einem komplizierten Ausschreibungsverfahren zu zwingen, war, „mehr Zugeständnisse von Arbeitnehmern in Valencia zu erpressen, obwohl sich die Arbeitsbedingungen in Spanien in den letzten fünfzehn Jahren bereits erheblich verschlechtert haben“.

Nach der primären Managemententscheidung steht nun die Restrukturierung in Valencia an. Die Höhe der Investition und das genaue Modell des Autos werden später festgelegt – es können auch mehrere Modelle sein.

Die Zukunft sieht in Sarlo düster aus. Wirtschaftsrat Gruschka sagte, es bestehe die Gefahr einer Schließung oder eines Verkaufs mit Blick auf das Produktionsende des Focus im Jahr 2025. Die möglichen Folgen seien „verheerend“ für Saar-Louis, das Saarland und die europäische Region Saar-Lore-Luxe.

Stuart Rowley, Präsident von Ford Europe, sagte der dpa, die Entscheidung für Spanien sei keine Entscheidung, den Standort Sar-Louis zu schließen. „Wir versuchen jetzt, Wege zu finden, um möglichst vielen betroffenen Arbeitern auch in Zukunft zu vermitteln.“ Aus technischer und strategischer Sicht waren die beiden Standorte gleichauf, aber aus finanzieller Sicht war Valencia im Vorteil.

Auf die Frage, ob Saarlouis nach 2025 noch eine Zukunft bei Ford habe, sagte Rowley, jetzt werde eine Task Force gebildet und das weitere Vorgehen mit Arbeitnehmervertretern und der saarländischen Landesregierung besprochen. Schauen Sie sich die Möglichkeiten an, die innerhalb und außerhalb von Ford bestehen. Konkreter ging es nicht.

Die Jobbörse glaubt nicht mehr an entsprechende Angebote von Ford, Arbeitnehmervertreter Thal von dpa sagt: “Die kannst du alle mitnehmen und anderen vorstellen.” Jetzt muss man sehen, welche rechtlichen Möglichkeiten es nach dem Tarifvertrag gibt.

Ford befindet sich im Umbruch. Im Zeitalter der Elektromobilität hinkte der US-Autobauer seinen Konkurrenten zunächst hinterher und schien die Zeichen der Zeit zu ignorieren. Unterdessen investiert Ford stark in die Elektromobilität, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein. Die Europazentrale in Köln spielt in den Plänen der Amerikaner eine große Rolle, denn der Konzern will dort in den kommenden Jahren insgesamt zwei Milliarden US-Dollar investieren und Elektroautos fertigen, die Produktion soll Ende 2023 starten.

Ford hat rund 15.000 Mitarbeiter in Cathedral City. Dort basiert der geplante Stromer auf einer Elektroplattform von VW. Ford will in Valencia eine eigene Plattform installieren, um mehr Elektromodelle zu bauen. Wann der erste Ford Strowmer dort vom Band rollen wird, ist unklar – „später in diesem Jahrzehnt“, sagt sie vage.

Branchenkenner hatten mit der Entscheidung gerechnet, die neue Plattform nicht in Saar-Louis anzusiedeln. Die Personalkosten in Spanien seien niedriger als in Deutschland, sagt Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch Gladbach. Ford hat vor einiger Zeit beschlossen, Milliarden in Köln zu investieren, wo die Lohnkosten auch relativ hoch sind. Allerdings ist der Standort dort deutlich größer und hat auch viele Zulieferer in der Nähe.

Bratzel hat wenig Hoffnung auf den Fortbestand des Ford-Werks in Saar-Louis. Es ist möglich, dass die Focus-Produktion noch um ein oder zwei Jahre verlängert wird, aber das wird das Ende nur hinauszögern. Damit Saarlouis überhaupt in die Elektroproduktion einsteigen kann, muss Ford in den kommenden Jahren einen Boom beim Verkauf von Elektrofahrzeugen erleben. „Aber das ist überhaupt nicht in Sicht – quantitativ sollten die Standorte, an denen bisher investiert wurde, ausreichen.“

Ford-Aktien fielen im vorbörslichen Handel an der New Yorker Börse um 1,48 Prozent auf 11,29 Dollar.

Sarlo (dpa-AFX)

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