Diplomatie – Erdogan und Putin treffen sich in Sotschi

Das türkische Präsidialamt teilte im Vorfeld mit, dass sich die beiden Präsidenten in der russischen Schwarzmeerstadt zu persönlichen Gesprächen getroffen hätten. Eine Pressekonferenz nach dem Treffen sei vorerst nicht geplant, teilten beide Seiten mit.

Im Mittelpunkt der Gespräche stehen Experten zufolge neben dem Krieg in der Ukraine vor allem die Pläne der Türkei, eine neue Offensive in Nordsyrien zu starten. Russland und der Iran, beide Akteure im syrischen Bürgerkrieg, haben der Türkei von einem solchen Schritt abgeraten.

Die Türkei besetzt bereits Gebiete im Norden Syriens und begründet ihre erneute Offensive mit einer „terroristischen Bedrohung“ der syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die Ankara als Terrororganisation einstuft.

Der Kreml hat die Türkei am Freitag erneut davor gewarnt, dass eine neue Militäroffensive Syrien destabilisieren könnte. „Die Türkei hat berechtigte Interessen aus Sicherheitsgründen, und wir berücksichtigen sie natürlich“, sagte Sprecher Dmitri Peskow am Freitag. Aber „es ist äußerst wichtig, keine Maßnahmen zuzulassen, die die Lage in Syrien destabilisieren oder die territoriale und politische Integrität Syriens gefährden könnten.“

In Sotschi soll laut Kreml auch über militärisch-technische Zusammenarbeit gesprochen werden. Russland hat kürzlich Interesse am türkischen UAV Bayraktar TB2 gezeigt, das Kiew auch erfolgreich im Ukrainekrieg eingesetzt hat. CNN zitierte Turk Erdogan mit den Worten, Putin habe vorgeschlagen, mit der Türkei an Baker-Drohnen zu arbeiten. Eine ähnliche Fabrik kann in den Vereinigten Arabischen Emiraten errichtet werden.

Auf der Tagesordnung stehen laut Kreml auch mögliche Verkäufe von Kampfdrohnen aus dem Nato-Mitglied Türkei. Türkische Quellen bestätigten dies derzeit nicht. Kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine sagte Erdogan, er schließe Waffengeschäfte mit Russland nicht aus.

Erdogans Schwiegersohn Selcuk Bayraktar ist Technischer Direktor (CTO) des von seinem Vater Özdemir Bayraktar gegründeten Drohnenherstellers. Sein Bruder Haluk Bayraktar, CEO von Baykar, ist ein überzeugter Unterstützer der Ukraine, und in einem Interview mit CNN im Juli weigerte er sich, Bayraktar-Drohnen nach Russland zu verkaufen.

Die Türkei unterhält enge Beziehungen sowohl zur Ukraine als auch zu Russland und versteht sich als Vermittler zwischen den beiden Parteien. Unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei einigten sich die beiden Kriegsparteien kürzlich darauf, den Getreideexport aus drei blockierten ukrainischen Häfen wieder aufzunehmen.

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