„Der Barbier von Sevilla“ begeisterte

Nicolas Alemo und Cecilia Bartoli als Figaro und Rosina © APA / Salzburger Festspiele / MONIKA RITTERSHAUS

Tolles Familientreffen im Mozarthaus bei den Salzburger Festspielen. Bei der Wiederaufnahme der Pfingstfestspiel-Oper „Il Barbiere di Siviglia“ in Rolando Villazons immer noch sehr vollgepackter Inszenierung füllten sich am Donnerstagabend die Herzen auf der Bühne und im Publikum.

Der Spaß geht weiter und der Erfolg auch. Nachdem die Oper bereits zu Pfingsten allseits große Begeisterung ausgelöst hatte, meinte es der Intendant nicht ernst, als er beim Eintreffen vor dem Festspielhaus die Daumen drückte und alles Gute forderte. Es ist besser geworden. Immer wieder mussten Orchester und Ensemble lange innehalten, frenetisch applaudieren, und der ganze Inszenierungsklatsch, der nicht an Zahl fehlte, entzündete ein wahres Feuerwerk im Saal.

Jedenfalls hat Villazon die Zeit zwischen Pfingsten und August nicht genutzt, um seiner Produktion eine schlankere Sommerfigur zu verpassen – sie wirkt immer noch ziemlich wuchtig. Ein genauerer Blick offenbart hier und da ein paar kleine Änderungen, aber das bedeutet nicht, dass auf der Bühne weniger Trubel herrscht. Auch an diesem Abend wetteiferten Bühnengeschehen und Musik wieder um die Aufmerksamkeit des Publikums.

Die liebevollen und lustigen Videos von rocafilm beeindrucken bis heute und sorgen dafür, dass die Charaktere, die Villazon in den 1930er Jahren in einem Filmstudio inszenierte, nahtlos zwischen Filmwelt und Realität hin und her springen können. Wer Rossinis Musik nicht so sehr mag, kann im Sommer vorbeischauen und staunen, wie Harald B. Thor mit seinen detailgetreuen Hintergründen immer wieder neue Welten aus dem Hut zaubert.

In der Gruppe ist bereits eine Steigerung gegenüber Pfingsten zu erkennen, da sie in den vergangenen Monaten wieder zusammengezogen sind. Cecilia Bartoli packte nach Ende des Festivals im Juni ihren kleinen Wanderzirkus zusammen und es sah so aus, als wollten vor allem Edgardo Rocha und Nicola Alemo nicht von ihrer Seite weichen. „La Cenerentola“ wird in der Schweiz und in Wien geteilt, angeführt vom berühmten Rossini-Konzert in der Wiener Staatsoper im Juli. Diese gesteigerte Intimität des Trios, das in „Barbier“ Rosina, Graf Almaviva und Figaro singt, brachte mehr Leichtigkeit mit sich, die vor allem an Pfingsten die Bolzen in puncto Agilität schmiert, vor allem den sehr lauten Alaimo Figaro, auf den es so verzichtet seinen Ausdruck verloren.

Ausdrucksstark war auch die Präsidentin der Pfingstfestspiele Bartoli, die mit ihrem artistischen Können und ihrer scheinbar leichten Farbgebung das Publikum kaum noch aus dem Klatschen brachte. Edgardo Rocha als Graf ergab sich ihr erneut widerstandslos. Sein eleganter russischer Charakter entwickelt sich exquisit und explodiert vor Intelligenz und Enthusiasmus so intensiv wie Zorro, ein betrunkener Soldat oder eine Mischung aus Don Camilo.

Weiteres großes Hörvergnügen: Eldebrando D’Arcangelo als Basilio in Nosferrato Elevator und Alessandro Corbeli als Idiot Bartolo, der bewiesen hat, dass Geläufigkeit auch während einer langen Karriere gut aufrechterhalten werden kann. Mit dreieinhalb Stunden dürfte Villazons Inszenierung eine der am längsten laufenden „Barbiere“-Produktionen aller Zeiten sein. Gianluca Capuano und Musiciens du Prince – Monaco sorgten mit neuen Temperaturen und subtilen Handgriffen dafür, dass es nicht unnötig lang wurde.

Dann begann die After-Party auf der Bühne. Das Publikum, zu dem am Donnerstagabend die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Mann gehörten, jubelte, applaudierte und trampelte minutenlang vor Begeisterung, und bald wurden Band und Orchester mit dem Erscheinen des letzten Songs belohnt, und der Eröffnungsabend der Wiederbelebung ertönte . Wie Tanzen und Lachen in einer sehr lauen Sommernacht in Salzburg.

Gioacchino Rossini: „Der Barbier von Sevilla“. Regie: Rolando Villazon, Musikalische Leitung der Musiciens du Prince – Monaco: Gianluca Capuano, Bühne: Harald B. Thor, Kostüme: Brigitte Reiffenstuel. Edgardo Rocha – Graf von Almaviva, Alessandro Corbeli – Bartolo, Cecilia Bartoli – Rosina, Nicola Alemo-Figaro, Ildebrando D’Arcangelo – Basilio, Rebecca Olvera-Berta, Jose Coca Loza – Fiorello, Max Sahliger – Ambrogoa Domenico Braño-Arducio La Domenico Brano . Weitere Aufführungen: 8., 11., 14. und 16. Aug., salzburgerfestspiele.at

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