Der 25-Jährige trainiert internationale Profispiele

Nina Zweifel (25) Überprüfst du die Leistung für Profis: Wie sieht es mit Schlaf, Ernährung und Konflikten im Team aus?

Sportarten wie Schach, Golf und Billard erfordern einen Bruchteil der Körperkraft von Fußball oder Eishockey. Dort legen Profisportler besonderen Wert auf ihr mentales Spiel. Wenn dein Kopf nicht konzentriert ist, kannst du schließlich keine 100-prozentige Leistung erbringen. Das Gleiche gilt für Esports – kompetitives Gaming erfordert eine unglaubliche Ausdauer wie jede andere Sportart.

Nina Zwivel (25 Jahre alt) ist mittendrin in diesem Thread. Der ehemalige Psychologiestudent trainierte Spieler in der Schweiz Sportorganisationen Kürzlich konnte sie ihren Traum in Berlin verwirklichen. Dort hält sie als Performance Coach Profispieler im Training.

Nina, du beschäftigst dich schon lange mit Esports. Was machst du da genau?

Ich habe als Performance Coach mit vielen professionellen Spielern in der Schweiz und im Ausland gearbeitet. Sehen Sie im Detail, wo es Spielraum gibt, das Wohlbefinden und die Leistung von Sportlern zu verbessern. Dazu gehören auch Themen wie Schlaf und Ernährung sowie die Kommunikation zwischen den Spielern. Mit neuen Athleten führe ich Einführungsgespräche, um im Vorfeld auf bestehende Bedürfnisse und Wünsche einzugehen.

Weil Spieler laut Klischee spät in der Nacht zocken und nur Chips essen?

Überhaupt nicht. Schweizer E-Sport ist im Grunde ein Nebenjob oder Studium. Nur wenige können davon leben. Das bedeutet, dass das Training, wie bei anderen Sportarten auch, abends oder am Wochenende stattfindet. Aus diesem Grund kann das Training teilweise bis in die späten Abendstunden andauern. Es kann eine Herausforderung sein, ein Gleichgewicht zwischen Arbeit, Leben und Sport zu finden. Ein so voller Wochenplan erfordert Höchstleistungen und einen gesunden Lebensstil. Was die Ernährung angeht, habe ich bisher nur positive Eindrücke gesammelt – unsere Athleten haben es weitgehend im Griff.

Und wenn es Probleme gibt, leiten Sie die Athleten entsprechend um?

Richtig, bei der Schweizer Organisation mYinsanity haben wir ein Team aufgebaut, bestehend aus einem Gehirntrainer, Ernährungsberatung und Physiotherapie. Diese helfen den Spielern, sowohl körperlich als auch geistig Höchstleistungen zu erbringen. Bei Fällen, die unsere medizinischen oder psychologischen Kompetenzen übersteigen, überweisen wir Sportler selbstverständlich an externe Experten.

Jetzt kannst du deinen Traumjob auch in Berlin machen, mit Team Vitality.

Ich mache dort neben meiner Masterarbeit in Psychologie ein Praktikum und lebe seit Juni für drei Monate in Berlin. Dort kann ich derzeit Erfahrungen sammeln, die in der Schweiz nicht möglich waren. Es ist sehr spannend, in einem hochkarätigen internationalen Team zu arbeiten. Im Vergleich zur Schweiz liegt der Rest Europas im Esport weit vorne.

Wie lässt sich dieser Unterschied für die Schweiz beobachten?

Das fängt bei der Infrastruktur an. Die Räumlichkeiten und der Hauptsitz sind so ausgestattet, wie Sie es von einem regulären Unternehmen erwarten. Sportler sind auch im Büro vor Ort, wo sie gemeinsam trainieren, zu Abend essen oder sogar Gesellschaftsspiele spielen. Profispieler sind in der Schweiz meist zu Hause und kommunizieren hauptsächlich über das Internet. Hier leben Menschen im Esport auch durch gemeinsame Jobs und leben davon, sei es in den Bereichen Marketing oder Finanzen. Dazu müssen Sie kein Spieler sein. In der Schweiz wurde bisher alles aus Leidenschaft praktiziert.

Wie sieht Ihr aktueller Alltag aus?

Wirklich streng. Ich arbeite mit zwei Teams, die unterschiedliche Wochenpläne haben. Das macht meine Woche sehr arbeitsreich: Ich fange morgens nicht sehr früh an, arbeite aber oft sechs Tage die Woche bis spät abends. Neben Teammeetings im Büro finden am Wochenende Spieltage statt, bei denen ich immer vor Ort bin. Wir sind kürzlich mit einem der Teams für das Turnier nach Paris gereist.

Wie ist die Repräsentation von Frauen in männerdominierten Esports?

Es gibt bereits viele Frauen in der Branche, Tendenz steigend. Viele namhafte Teams in der LEC, der European League of Legends, haben bereits Frauen in verschiedenen wichtigen Positionen. Auch Moderatoren und Hosts wie Eefje „Sjokz“ Depoortere sind bekannte Gesichter in der Ligaszene. Der Status von Frauen im Sport bleibt jedoch fraglich. Aber ich bin zuversichtlich, dass Frauen in Zukunft mehr im Esport präsent sein werden.

Bleiben Sie nach Ihrem Studium als Psychologe im E-Sport-Bereich?

Ich habe vor, dies zu tun. Coaching war bisher mein Traumberuf, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, in einer Führungsrolle zu arbeiten, zum Beispiel als Performance Manager oder Teammanager. Ich wollte also vom direkten Umgang mit den Spielern zu einer etwas breiteren Perspektive innerhalb der Organisation wechseln, was ich spannend finde. Aber ich weiß noch nicht genau, wohin mich mein Weg führen wird.

Nav-Account 20 Minuten Zeit04.08.2022, 15:30| Gesetz: 04.08.2022, 16:31

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